
Mit Glück und Verstand
Zur Kunst- und Kulturgeschichte der Brett- und Kartenspiele. 15. bis 17. JahrhundertNachdenklich ihr eigenes Bild im Spiegel erkennend, sitzt Sapientia, der Verstand, am Eingang dieses Buches über Spiele des 15. bis 17. Jahrhunderts. Leichtfüßig, ja leichtfertig schwebt Fortuna, das Glück, über ihm. Seit jeher und bis heute sind es die beiden Mächte, die in den Augen der Menschen den Lauf der Dinge und eben auch den Ausgang der Spiele bestimmen. Dabei neigen nach alter Auffassung die Würfel der Fortuna-Seite, das Schach der Seite der Sapentia zu, und dazwischen gibt es Spiele wie das Trictrac, von dem unser Backgammon abstammt, und viele Kartenspiele, bei denen der Verstand den mächtigen Zufall zu überlisten sucht.
Diese Vorstellung vom Lauf der Welt und des Spiels bildet sich auf den kunstvollen und oft sehr kostbaren Spielgegenständen in mannigfaltiger Weise ab: als Ordnung der Menschen, Dinge und Orte, als verkehrte Welt, als dem Tod anheimfallende Welt, aber auch als eine Welt komplizierter Beziehungen zwischen Mensch und Kosmos. Diese Bezüge spiegeln sich noch einmal in den Darstellungen von Spielern, die durch die Spielorte, die zwischen übler Spelunke und fürstlichem Saal gelegen sind, und durch die Spiele, die ihnen zugeordnet sind, ihre soziale Stellung klar definieren. Zugleich zeigen diese Bilder, zu denen auch Bücher und Traktate gehören, die ambivalente Einschätzung des Spiels: Bald wird es als Teufelszeug denunziert, bald als Mittel der Erkenntnis gefeiert.

